12. September 2006

So long, farewell, auf Wiedersehen, good night
I hate to go and leave this pretty sight

Wenn wir Jasim Saleh Al-Azzawi glauben können, wird seine neueste Erfindung uns alle arbeitslos machen. Er hat eine Festplatte mit Zusatzfunktionen „erfunden“, die alte, aktuelle und zukünftige Viren unschädlich machen. Den vollständigen Text finden Sie beim Patent- und Markenamt der USA.

Diese neuartige Festplatte verfügt über zusätzliche Switches, die die Lese- und Schreibköpfe auf den Trägerarmen ein- und ausschalten können. Die grundlegende Idee ist, den gesamten Festplatteninput und -output an einen sicheren Ort umzuleiten und damit vertrauliche Daten zu schützen. Wird die Verbindung zum Internet getrennt, so wird der sichere Speicherort ausgeschaltet und ist nicht mehr erreichbar. Daher stellen Viren, die während der Verbindung zum Internet auf den Computer gelangt sind, kein Problem mehr dar.

Lassen Sie uns die angebliche Neuigkeit dieser Lösung ignorieren, denn schon früher hatten verschiedene Tüftler ähnliche Ideen, die jedoch nie funktionierten. Liest man den vollständigen Text der Erfindung, so sind schnell mindestens ein Dutzend Situationen denkbar, in denen diese Lösung nicht funktionieren würde. Denken Sie einfach an einen Internetwurm, der sich aufgrund eines Pufferüberlaufs in den Betriebssystemspeicher einnistet. Dieser Wurm „schläft“, bis sich der Benutzer vom Internet abmeldet. In diesem Moment werden die Lese- und Schreibköpfe zu den vertraulichen Informationen aktiviert und Ihre wertvollen Daten gestohlen. Wenn der Benutzer das nächste Mal eine Internetverbindung aufbaut, werden die gestohlenen Daten übertragen.

Es kann auch sein, dass der Wurm so lange wartet, bis der Benutzer ein Programm installiert und die Schreibköpfe zum Ordner „Programme“ aktiviert werden. Der Wurm nutzt diese Situation aus, um sich entweder selbst dorthin zu kopieren, oder - falls es sich um einen Parasiten handelt - um andere Programme zu befallen.

Sehr schnell lassen sich verschiedene Implementierungsfehler in dieser „Erfindung“ aufdecken. Es wäre sehr kompliziert, wenn nicht unmöglich, diese Fehler zu beheben, da man dazu eine nicht praktikable Situation schaffen müsste, vergleichbar mit dem Nichteinschalten Ihres Computers. Sehr sicher, aber keineswegs erstrebenswert! 

Sonderbar genug, dass Jasim Saleh Al-Azzawi für nur 92 Mio. USD sein Patent verkauft Wie Al-Azzawi feststellt, nur ein kleiner Betrag verglichen mit den Milliarden Dollar, die seine Lösung in 20 Jahren einbringen wird. Glaubt er nicht an seine eigene Erfindung? 

Al-Azzawi besitzt Patente an  weiteren „Erfindungen“, die angeblich auf ihrem Gebiet ebenfalls die ultimative Lösung darstellen. Wir werden diese anderen „Erfindungen“ nicht weiter kommentieren, aber sie sind vergleichsweise schwach. Dies zeigt jedenfalls, dass jeder beim US-amerikanischen Patent- und Markenamt ein Patent beantragen kann und dieses auch erhält - vorausgesetzt, kein Bearbeiter versteht, worum es sich handelt. Damit wird quasi garantiert, dass die Erfindung nicht auf ihre Neuigkeit, den sog. „Stand der Technik“, untersucht wird. Und wenn Sie dann noch jemanden finden, der Ihre ultimative Lösung kauft, bevor die Neuigkeit der Erfindung nachgewiesen ist, können Sie sich beruhigt in der Karibik zur Ruhe setzen.

Zu guter Letzt:
Norman kann seinen Benutzern garantieren, dass kein Grund zur Panik besteht: Auch diese Erfindung wird uns nicht arbeitslos machen. Die nächste Erfindung, bitte!