Sicherheitshinweis, Woche 12, 2007

Security Information

Das Internet Crime Complaint Center (IC3) in den USA ist eine Kooperation des National White Collar Crime Center (NW3C) und des FBI zur Bekämpfung der Cyberkriminalität.

Soeben wurde der Jahresbericht des IC3 für 2006 veröffentlicht - eine äußerst interessante Lektüre, vor allem wenn man die gemeldeten Fälle mit den Themen vergleicht, die derzeit die Medien beherrschen.  
So beschäftigen sich die Medien hauptsächlich mit populären und gleichzeitig angsteinflößenden Themen wie Phishing und Identitätsdiebstahl. Diese Probleme stellen jedoch nur einen kleinen Teil der gemeldeten Betrugsfälle dar (siehe weiter unten).

Zu beachten ist vor allem, dass der Bericht aus den USA stammt und daher die weltweite Internetkriminalität weder darstellen kann, noch will. Nichtsdestotrotz sind die Ergebnisse interessant und bis zu einem gewissen Grad auch auf andere Regionen und Länder übertragbar. Man darf annehmen, dass die Anzahl der Täter aus den USA im Bericht überproportional ist - verglichen mit dem, was ähnliche Berichte aus anderen Teilen der Welt berichten.

Einige „Höhepunkte“ des Berichts

Im Gegensatz zu allen Erwartungen (?) ist die Anzahl der angezeigten Fälle im Jahr 2006 um 10 % gegenüber dem Vorjahr gesunken. Über die Ursachen kann natürlich nur spekuliert werden; ein Grund könnte jedoch der stärkere Fokus auf den Strafmaßnahmen für Internetverbrechen sein.

Der finanzielle Schaden hat gegenüber dem Vorjahr zugenommen und liegt bei einem Rekordwert von 198 Mio. US-Dollar.

Wie zuvor erwähnt, zählen die „populären“ Betrugsmethoden wie Identitätsdiebstahl und Phishing nicht zu den am häufigsten beklagten. Zu den Vergehen, die am häufigsten gemeldet wurden, zählen Fälle von Auktionsbetrug: mit einer Häufigkeit von 45 % haben diese gegenüber dem Vorjahr weiter zugenommen. Das zweithäufigste Vergehen war der Nichteingang von Waren und/oder Zahlungen (19 %). Der Identitätsdiebstahl dagegen machte nicht einmal 2 % der gemeldeten Fälle aus.

Der Bericht enthält verschiedene demographische Statistiken zu den Tätern und Opfern. Es überrascht (vielleicht) kaum, dass 75 % der Täter, deren Geschlecht bekannt ist, Männer sind. Laut Bericht erleiden die männlichen Opfer größere finanzielle Schäden als Frauen.
Auch die Opfer über 60 melden größere finanzielle Schäden als alle anderen Altersgruppen in dem Bericht. Ein möglicher Grund hierfür könnte die Tatsache sein, dass diese Altersgruppe in jüngeren Jahren keine Erfahrungen mit dem Internet sammeln konnte.

Der Kontakt zwischen Täter und Opfer wurde in der Regel anonym aufgenommen, überwiegend per E-Mail bzw. Website. Häufig wurden zur Kontaktaufnahme mehrere Methoden verwendet. Nur in 1,5 % der gemeldeten Fälle kam es zu persönlichen Treffen. Höchst überraschend ist die Tatsache, dass fast 18 % der Opfer Telefonkontakt mit den Tätern hatten und mehr als 10 % auf dem Postweg kommunizierten.  

Eine Warnung hinsichtlich der Interpretation

Bei der Lektüre sollte besonders berücksichtigt werden, dass der Bericht und die erwähnten Statistiken nur diejenigen Fälle repräsentieren, die dem IC3 gemeldet wurden. Aus verschiedenen Gründen wenden sich nicht alle Unternehmen und Privatpersonen, die das Opfer von Cyberkriminalität werden, an das IC3. Eine Analyse, wie sich dies auf die oben genannten Statistiken im Vergleich zur realen Situation auswirken würde, wäre eine weitere interessante Aufgabe. 

Weitere Informationen

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Der vollständige Bericht „The Internet Crime Complaint Center 2006 Internet Fraud Crime Report: January 1, 2006-December 31, 2006“ ist als PDF-Datei über diesen Link verfügbar (wird in einem neuen Browserfenster geöffnet).
Der Bericht enthält außerdem verschiedene hilfreiche Best Practices zum Schutz vor Internetkriminalität (Anhang II).